30.12.06 Stausee Sidi Salem-Metline

Wälder, Küste und der nördlichste Punkt von Afrika

Am Morgen ist es ziemlich kühl. Wir beeilen uns mit dem Frühstück und fahren los. Nach kurzer Zeit liegt die Strasse in dichtem Morgennebel und so können wir keinen letzten Blick auf den See erhaschen. Doch als wir uns vom Seegebiet entfernen, löst sich auch der Nebel auf. Wir fahren über Beja in Richtung Nefza. Dort verlassen wir die Strasse und zweigen auf einen schmaleren Weg ab, der uns auf holprigen Pisten durch grosse Wälder führt. Hier sieht es aus wie auf Korsika. Es ist herrlich, aber wir kommen nur sehr langsam voran und haben keine Ahnung, wo wir rauskommen werden, denn unsere GPS zeigen schon lange keine Strasse mehr an :-)

Nach einer ausgiebigen Tour durch den Wald erreichen wir schliesslich plötzlich die Küste. Das Meer leuchtet in den schönsten Blautönen und überall erblicken wir kleine Fischerboote auf dem Wasser. Wir folgen eine ganze Weile der Küstenpiste bis zum Cap Serat Plage. Von dort nehmen wir wieder den etwas breiteren Weg bis nach Bizerte, einem grossen Touristenort an der Küste. Von dort wollen wir weiter zum Cap Blanc, dem nördlichsten Punkt von Afrika. Doch das etwas eigenartige Verkehrskonzept von Bizerte durchkreuzt immer wieder unsere Pläne: Jede Strasse, die wir nehmen möchten ist eine Einbahnstrasse! Schlussendlich schaffen wir es doch noch aus der Stadt heraus zu kommen und gelangen an den Strand, von dem aus man das Cap Blanc wunderbar sehen kann. Zum Cap Blanc selber kommt man nur zu Fuss…

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Italienische Wracks vor Metline

Wir legen eine kurze Pause ein und fahren dann weiter in Richtung Metline. Dort befinden sich an der Küste zwei Wracks von italienischen Frachtern, die beide bei Sturm auf das Riff aufgelaufen und gestrandet sind. Die gewaltigen Wracks sind total verrostet und liegen ganz nahe am Ufer. Eine ziemlich eindrucksvolle Szene.

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Wildschweine und Wolfsgeheul

Etwas später fahren wir weiter, um das Jugendcamp zu suchen, bei dem wir übernachten möchten. Leider ist das Camp geschlossen und so müssen wir im Wald einen geeigneten Übernachtungsplatz finden. Auch hier ist es eher schwierig, denn die besten Plätze werden – unübersehbar – für abendliche Picknicks und nächtliche Saufparties genutzt oder liegen in der Nähe von Militärgelände wo das Campieren sowieso verboten ist. Wir entschliessen uns, weiter in den Wald hinein zu fahren. Es ist herrlich hier!

Schliesslich entdecken wir in einer Feuerschneise im Wald etwas versteckt hinter einem Hügel einen superschönen Platz für unser Nachtlager. Hier stört uns bestimmt keine Menschenseele! Menschen gab es hier wirklich keine ausser uns, aber dafür Wildschweine. Eines dieser zotteligen Tiere, die wir alle aus den Asterix & Obelix-Geschichten kennen begegnete Claudia sogar auf einem ihrer Toilettengänge. Sie erschrak dabei dermassen, dass sie sich von da an nicht mehr so weit weg traute um ihr Geschäft zu verrichten. Das Wildschwein hat sich allerdings nicht beirren lassen und trippelte ohne umzusehen weiter… :-)

Doch das war wohl nicht das einzige Tier in unserer Umgebung: Als es dunkel wird, vernehmen wir plötzlich ein schauriges Geheul. Uns gefriert fast das Blut in den Adern. Zwar sind wir uns nicht ganz sicher, ob es sich dabei wirklich um Wölfe handelt, doch zumindest klingt es ziemlich stark danach. (Und am nächsten Tag entdeckt Claudia im Reiseführer tatsächlich einen Hinweis auf die Möglichkeit von Wölfen!) Etwas unwohl ist uns in diesem Moment schon, doch als das Geheul wieder aufhört, beruhigen wir uns wieder.

Wir verbringen eine ruhige Nacht, ohne dabei von Wölfen oder irgendwelchen andern Tieren behelligt zu werden.

Hier geht’s zum nächsten Tag: Weiterfahrt zum Cap Bon und nach Kerkouane auf der Halbinsel östlich von Tunis.