Um 05.50 Uhr ist Abmarsch. Gokyo schläft noch und wir wandern dem See entlang in Richtung Renjo-Pass. Um 06.30 Uhr erreichen uns die ersten Sonnenstrahlen. Langsam, sehr langsam steigen wir auf. Die Puste ist wieder knapp und die Beine wollen auch nicht mehr so richtig. Elvira und Sepp sind wieder davongezogen. Wir müssen es langsamer angehen und mehrere Pausen einschalten. Die Passhöhe scheint unerreichbar. Langsam gehen wir weiter, Schritt für Schritt, eine echte Geduldsprobe! Am Schluss erwartet uns noch ein ganz steiles Stück Weg, das an der Felswand entlang führt. Chrigel geht voraus. Claudia, die nicht 100 % schwindelfrei ist, schaut einen Moment nach unten und dann ist es passiert: alles dreht sich, der Weg wird schmäler und schmäler, ihr ist schwindlig. Ihre Knie geben nach und so schafft sie die letzten Meter nur noch auf allen Vieren. Dann beginnt es in ihren Ohren zu rauschen und vor ihren Augen tanzen schwarze Punkte. Die anderen helfen ihr zu einem sicheren Platz. Dort setzt sie sich hin und ruht sich etwas aus.

Als sich Claudia etwas erholt hat, nehmen wir den Abstieg in Angriff. Es geht steil bergab und der Weg ist eine totale Schutthalde. Unten angekommen machen wir an einem dunkelgrünen See eine kurze Rast. Das Seeufer ist mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Wunderschöner Anblick! Dann geht’s weiter Tal auswärts. Die steinbruchartige Landschaft verändert sich langsam. Es umgibt uns jetzt kurzes gelbes Gras und wir gehen auf staubtrockenen Wegen. Plötzlich durchwandern wir ein Gebiet, das wie ein Sandstrand aussieht. Es ist eine Ebene mit einem grossen klaren See. Es geht ein eisiger Wind. Wir ziehen eine Jacke mehr an und watscheln weiter. Insgesamt steigen wir an diesem Tag fast 1100 m ab. Langdeng liegt auf einer Höhe von 4390 m.ü.M.

Angefeuert von uns, liefern sich unsere beiden Gepäck-Porter kurz vor Langdeng ein Kopf-an-Kopf-Rennen (natürlich nur aus Spass!). Das ist wirklich erstaunlich, was diese dürren Männlein schleppen, Chapeau! Sepp entdeckt eine Schubkarre und setzt sich hinein. Phurna lässt sich natürlich nicht lumpen und rennt mit Sepp in der Schubkarre die Wiese hinunter bis das Ding schliesslich kippt und Sepp auf dem Hosenboden landet. Schallendes Gelächter bei allen! Beim Zeltplatz angekommen erwartet uns die Küchen-Crew mit feinen gekochten Kartoffeln, die wir genüsslich verspeisen. Zum Zmittag gibt’s dann feine Nudelsuppe!

Den Nachmittag verbringen wir mit Faulenzen und Tee-Trinken in der Lodge. Beim Nachtessen erfüllen sich für Claudia gleich alle Wünsche auf einmal: Es gibt Chowmein (Nudelgericht) und mashed potatoes (Kartoffelstock)! Kaum zu glauben, die können wohl Gedanken lesen!! Nach dem Essen geht’s rund. Die Lodge-Familie und unsere Porter spielen ein Spiel mit Karten und einem Löffel in der Mitte. Alle reden und rufen wild durcheinander – natürlich in Nepali. Wir verstehen kein Wort und versuchen amüsiert, die Regeln des Spieles zu begreifen… was uns natürlich nur bedingt gelingt. Es ist ein herrliches Bild!

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